Chiara Mazzocchi – Tanz, Performance, Foto

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Beim Betrachten mancher Arbeiten frage ich mich, ob ’es Einigen wohl in die Wiege gelegt’ wird. So ging es mir auch, als ich zum ersten Mal auf die Fotos von Chiara Mazzocchi aufmerksam wurde. Sie stand auf der Oberbaumbrücke, zwischen Friedrichshain und Kreuzberg, und präsentierte Fotoarbeiten, die sich in Punkto Niveau deutlich vom Ausdruck des regionalen Outdoor-Kunstmarktes abzuheben schienen.

Bei näherer Betrachtung der Vita wurde jedoch schnell klar, dass der Ausdruck ihrer Arbeiten nicht von ungefähr kam:

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1978 geboren, entdeckte sie bereits im Kindesalter ihre Begeisterung für den zeitgenössischen Tanz. Von 9 Jahren an besuchte sie Jazz-Dance-Kurse, später wechselte sie zum freien Tanz. Mit 13 begann sie ihre Ausbildung an der Kunstschule in Imperia, die sie in den Bereichen Fotografie, Grafikdesign und TV/Video-Direction abschloss. Aufbauend besuchte sie die zu den ’CTC’-Studios gehörende Schule für Film und Fernsehtechnik in Milan, die sie mit 21 Jahren in den Bereichen Foto, Video, Film abschloss. Neben ihrer Ausbildung verfolgte sie kontinuierlich ihr Interesse für den Tanz, erkundete unterschiedlichste Stile wie z.Bsp. Contemporary, Jazz, Modern, Afro und Latin Dance, arbeitete u.a. mit mit Jean N’Diaye vom “Ballet National du Senegal und besuchte nebenher, als sei all dies noch nicht genug, die Theater Akademie, um Techniken wie Gestik und ’time & motion’ zu verfeinern.

Kurz und gut: Unabhängig von dem, was auch immer hier in die Wiege gelegt wurde, hat Chiara Mazzocchi eine extrem vielseitige Ausbildung genossen, deren Bestandteile sie nun u.a. in ihren Fotoarbeiten zusammenführt.

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2008 hängte sie ihren Job an den Nagel, um sich fortan verstärkt ihren freien arbeiten widmen zu können. Hier arbeitet sie im wahrsten Sinne des Wortes mit vollem Körpereinsatz, denn ihr eigener Körper ist wichtigstes Werkmaterial, das sie im Rahmen konzeptueller Selbstportraits stets neu inszeniert.

2010 beschloss sie, für ein paar Jahre nach Berlin zu ziehen. Sicherlich spielte dabei auch der kreative Ruf der Stadt eine Rolle, doch für sie ausschlaggebend war es, einen Ort zu finden, mit dem sie bis dahin nichts verband. Ihrer Aussage zufolge ging es ihr vor allem darum, sich bewusst einer Sprachbarriere auszusetzen und sich so weit als möglich von ihrem italienischen Umfeld zu isolieren, um darüber neue Impulse für ihre Arbeiten zu finden. In diesen verhandelt sie vornehmlich die Komplexität der Darstellung menschlicher Entfremdung in teilweise verstörender Poesie. Das Selbstportrait benutzt sie dabei niemals zur Selbstdarstellung, sondern inszeniert ihren Körper stets symbolisch.

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Seit September arbeitet Chiara Mazzocchie wieder als Art-Directorin in Milan, besucht Berlin jedoch hin und wieder, um ihre Arbeiten zu zeigen.

Die Fotoarbeiten Chiara Mazzocchis werden u.a. publiziert in der italienischen Vogue und sind im Museum für zeitgenössische Kunst in Napoli zu sehen.

Und hier, abschließend, noch eine Videoarbeit, die im Rahmen ihrer aktuellen Zusammenarbeit als ‘Art-Director, Performer, Editor’ mit dem türkischen Modemacher Erkan Coruh, der als einer der erfolgreichsten Newcomer der Szene gilt. Auch dieser Arbeit, die für die bevorstehende Frühlings /Sommerkollektion 2013 entstand, merkt man wie der obrigen auch, deutlich den ‘fotografischen Blick’ an, der alle ihre Videoarbeiten derart prägen, dass man diese durchaus als Schnittstelle zwischen Fotografie und Video verorten kann..

Nähere Informationen zu Chiara Mazzocchi finden Sie auf ihrer Internetseite unter:

http://www.chiaramazzocchi.com/

Und ihre aktuelle Fotoserie in der italiennischen Vogue hier:

http://www.vogue.it/talents/who-is-on-next/2012/12/erkan-coruh-primavera-estate-2013