Günter Rössler – ‘der Mann, der die DDR auszog’

Günter Rössler, 1926 in Leipzig geboren, ist am 31.12.2012 gegen 18 Uhr, im Alter von 86 Jahren, in der Leipziger Unfallklinik an Herzversagen verstorben. Bekannt wurde Rössler als ‘der Mann, der die DDR auszog‘. Er war der berühmteste Mode- und Aktfotograf der DDR.

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Portrait Günter Rössler, ‘STARKE FRAUEN IM OSTEN’ / Jaron Verlag

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Frau E., 1957, (c) Günter Rössler, aus ‘Aktfotografie 1953-2010′

Rössler absolvierte 1946 seine Fotografenlehre und studierte im Anschluss an der HGB Leipzig Fotografie. Danach fotografierte er freiberuflich u.a. auch für Zeitschriften wie “Sibylle“, “Modische Maschen“ und natürlich “Das Magazin”. Im “Das Magazin” wurden regelmäßig seine dezent erotischen Aktfotos veröffentlicht, wodurch die Publikation über die Grenzen der DDR hinaus Kultstatus erlangte. Für ein Aktfoto im ‘Magazin‘ erhielt Rössler damals nicht mehr als 12 Mark, für einen Titel der ‘Sybille’ immerhin 35.  Reich werden konnte er damit ganz sicher nicht. Doch darum ging es dem Fotografen, der in seinen Aktfotos immer sehr viel mehr Wert auf Authentizität als auf Pose legte, auch nicht. Anders als z.Bsp. in den sehr viel direkteren und konfrontativeren Aufnahmen der DDR-Fotografin Gundula Schulze-Eldowy, hatte sich Rössler ganz der Suche nach sanfter Ästhetik verschrieben, die er mit jedem seiner Modelle neu zu erkundete und tatsächlich auf eine jeweils sehr individuelle Weise fand. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass seine Aufnahmen mitunter als Erbauungsbilder, Andachts- oder gar Heiligenbilder beschrieben werden. Und es überrascht nicht, dass er, ebenfalls anders als Schulze-Eldowy, selten bis nie das Missfallen der Behörden auf sich zog, obwohl die erotische Fotografie in der DDR  – zumindest auf Seiten der Obrigkeit – nicht gerade hoch im Kurs stand. Denn seine Aktbilder waren von einer derartigen ’Unschuld’ geprägt, dass man daran einfach keinen Anstoß nehmen konnte. Als Meister der Licht und Schatten, der stets der schwarz-weiß-Fotografie zugetan war, modellierte er seine Modelle zu ‘zu poetischen Geständnissen der der Vergänglichkeit von Jugend und Schönheit‘ (1). Seine Aufnahmen zeugen von einer intimen Privatheit, wie sie nur zustande kommen kann, wenn man sich als Fotograf wirklich persönlich mit seinen Modellen auseinandersetzt. Manch ein Foto dauerte deshalb, so ist zu lesen, Monate, ehe es zustande kam. Denn Rössler ließ sich und seinen Akteurinnen Zeit. Zuerst musste man sich kennenlernen und miteinander vertraut werden. Nur so gelang es ihm, seine Damen individuell und selbstbewusst ablichten zu können. Und nur so erhielten seine Arbeiten ihre unverkennbare Stimmung: Eine Mischung aus romantischer Sehnsucht und Ringen um Authentizität.

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Stefanie, 1997, (c) Günter Rössler, ‘Aktfotografie 1953-2010′

Im Juni 1984 hatte Günter Rössler eine so große Bekanntheit erlangt, dass er für eine Fotostrecke vom Playboy angefragt wurde. Seine dortige Veröffentlichung brachte ihm neben einem hübschen Sümmchen Geld auch noch den Spitznamen der ‘Helmut Newton des Ostens‘ ein, was Rössler jedoch gar nicht gefiel. Zurecht, denn seine Position war eine völlig andere, als die Newtons. Fast könnte man behaupten, die beiden künstlerischen Handschriften stünden sich diametral gegenüber, die Auffassungen könnten unterschiedlicher nicht sein: Hier warm – dort unterkühlt, hier das Innen – dort das Aussen. Beim Betrachten von Rösslers Bildern hatte ich nie das Gefühl, mir einfach nur Aktbilder anzusehen. Und noch heute würde ich diesbezüglich lieber von Aktportraits sprechen. Denn bei aller Nacktheit wirken seine Aufnahmen zu weiten Teilen eher als Portraits, denn als bloße Inszenierungen von Körpern. Den Körper als bloßes Werkmaterial zu betrachten, war nicht sein Ding, eine Trennung von Körper und Persönlichkeit nicht vorstellbar. Dadurch wurde das Menschenbild, dass er über seine Arbeiten transportierte, ein zutiefst humanes.

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Renate, 1969, (c) Günter Rössler, ‘STARKE FRAUEN IM OSTEN’

Günter Rössler war der einzige DDR-Fotograf, der jemals im Playboy veröffentlichte: Seine Bildstrecke brachte ihm die ein für DDR-Verhältnisse stattliches Honorar von 10.000 DM ein,- von denen jedoch satte 8.500,- als Devisen in die Staatskasse wanderten.

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Karin, 1980, (c) Günter Rössler, ‘Aktfotografie 1953-2010′

Mit dem Ende der DDR wurde es dann zunächst auch ruhiger um Günter Rössler, denn Zeitschriften, für die er zuvor fotografiert hatte, meldeten Konkurs an. Doch seit 2005 hörte man wieder regelmäßig von ihm. Zunächst erschien eine reichhaltig bebilderte Autobiografie unter dem Titel “Mein Leben in vielen Akten“. 2010 folgte dann eine umfassende Werkschau mit dem Titel “Aktfotografie 1953-2010” und im September 2012 erschien der Bildband “Starke Frauen im Osten – Fotografien 1964 bis 2009“.

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Jutta, 1974, (c) Günter Rössler, ‘Aktfotografie 1953-2010′

Im Dezember 2012 kam der 93 minütige Dokumentarfilm “Die Genialität des Augenblicks” von Fred R. Willitzkat heraus, der Werk und Schaffen Günter Rösslers reflektiert. Hierzu schreibt die Süddeutsche:
Ein Film, “so, wie seine (*Rösslers) Fotos ihre Zeit abbilden: schlicht, treffend und stilsicher.

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Heidrun, 1977, (c) Günter Rössler, ‘Aktfotografie 1953-2010′

Bereits im Jahr 2006 vermeldete die für ihren Qualitätsjournalismus bekannte Zeitschrift Super Illu den Tod von Günter Rössler, obwohl sich der damals 80jährige noch bester Gesundheit erfreute. Damals musste der entsprechende Chefredakteur bei Rössler um Entschuldigung bitten: Das war schön zu hören. Nun muss sich leider niemand entschuldigen.
Günter Rössler, er ruhe in Frieden
.

Hier ein sehr schöner Text zu Günter Rösslers Fotobuch ’Mein leben in vielen Akten’,
von Ingeborg Ruthe, in der Berliner Zeitung vom 06.01.2006

Ein Nachruf auf Günter Rössler in der Frankfurter Rundschau, von Jutta Voigt

Publikationen:

9783360012753

 

Günter Rössler – Mein Leben in vielen Akten
ISBN 978-3-360-01275-3 / 256 Seiten / 22,5 x 22,5 cm / geb. mit Schutzumschlag. durchgängig in Duoton / Eulenspiegel Verlagsgruppe – Das neue Berlin

 

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Günter Rössler – Aktfotografie 1953 – 2010
ISBN 978-3-360-02102-1 / 192 Seiten / 21,3 x 28,5 cm / mit zahlr. Fotos in Duoton geb. / Eulenspiegel Verlagsgruppe – Das neue Berlin

 

 

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Starke Frauen im Osten: Fotografien von 1964 – 2009
ISBN 978-3-89773-703-7 / Format: 24 x 29,5 cm / 120 Seiten, 128 Fotos / Broschur

 

 

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Fotos von Günter Rössler, fertig gerahmt/kaschiert, in verschiedenen Formaten, Auflagen von jeweils 150 Exemplaren, sind momentannoch bei lumas zu beziehen.

 

 

 

 

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Hier ein link zur ebay-Seite mit Angeboten von
Das Magazin
- Orginal-Publikation von Fotos Günter Rösslers -

 

 

 

 

Und abschließend noch der Trailer zum Dokumentarfilm von Fred R. Willitzkat
Die Genialität des Augenblicks

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