Jaya Suberg – Surreale Collagen

Surreale Collagen

jaya_bogenDie künstlerische Entwicklung Jaya Subergs im Bereich der Fotografie sowie ihr freier Umgang mit eben dieser ist ein gutes Beispiel dafür, was im Zusammenspiel von persönlicher Begeisterung und moderner Technik möglich ist. Denn gerade im Fotobereich bieten sich aufgrund beständig wachsender Angebote an technischen Möglichkeiten Chancen, einen ganz eigenen Weg vom leidenschaftlichen Hobby bis hin zur professionellen Tätigkeit zu beschreiten.

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Über ihr Tagebuch fand die 1956 geborene, seit 1980 in Berlin lebende Jaya Suberg einen sehr individuellen Zugang zur Fotografie. Während der letzten 13 Jahre entfaltete sich ihr Hobby zu einer wahren Passion, und nun winken erste Aufträge internationaler Galerien. Denn was einst mit ins Tagebuch geklebten Bildchen begann, hat sich, auch dank digitaler Fototechnik und professioneller Bildbearbeitung-Software, zu vielschichtigen , surreal anmutenden Bilderwelten entwickelt.

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Aber von vorn:

Als Jaya Suberg 1980 nach Berlin kam, arbeitete sie als Erzieherin im Kinderladen und klebte Bildchen in ihr Tagebuch. Das Tagebuchschreiben hatte begonnen, sie zu langweilen, und so war sie dazu übergegangen, ihre Eindrücke und Erinnerungen mehr und mehr in Bildern festzuhalten. Dabei bediente sie sich, neben privaten Schnappschüssen, auch Ausschnitten aus Zeitungen und Zeitschriften. So entstanden erste Collagen, die, da sie mit den Kids im Kinderladen häufig malte, hin und wieder übermalt wurden.

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Einige Jährchen später, die technische Entwicklung hatte ihren Lauf genommen und Digitale Kameras wurden immer erschwinglicher, legte sie sich ihre erste Digital-Kamera zu und ließ sich von einem befreundeten Grafiker in *die tiefen Geheimnisse des Photoshop* einweihen. Ab da gab es kein Halten mehr: Fortan wurde alles fotografiert, was ihr interessant erschien: Hier ein alter Brief vom Trödelmarkt, dort ein Riss in einer morbiden Mauer, das Bildrauschen eines alten Fernsehapparates und dazu ein paar manuell angefertigte Collagen. Mittlerweile verfügt sie über einen riesigen Fundus an Bildmaterial / Footage, der ihr für ihre digitalen Collagen zur Verfügung steht. Und ihre Modelle, die spricht sie meist auf der Straße an, ebenso intuitiv, wie ihre übrige Bildersuche vonstatten geht.

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Da sie dabei darauf angewiesen ist, eine ihrer Kameras immer dabei zu haben, arbeitet sie bevorzugt mit kleinen, leicht transportablen Modellen,- früher mit einer Olympus Pen E-PL1, momentan am liebsten mit ihrer neueren Sony Cyber-shot. Diesbezüglich dürfte sich die aktuelle DSC-RX100 mit einem Gewicht von gerade einmal 240 Gramm und einer Auflösung von satten 20,0 Megapixeln als optimales Arbeitswerkzeug erweisen.

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Aber lassen wir das Technikgeplänkel. Denn auch Jaya Suberg gesteht offen ein, dass ihr der technische Aspekt der Fotografie bisher keine sonderliche Begeisterung abringen konnte. Noch heute lässt sie die technischen Möglichkeiten ihrer Kameras weitestgehend ungenutzt, benutzt ’nie ein Stativ’ und macht ihre Aufnahmen am liebsten ’mit dem Automatikknopf.

Umso bemerkenswerter sind die Ergebnisse, die sie mit dieser Herangehensweise erzielt. Unbestritten stellen ihre Arbeiten im Vergleich zur klassischen Fotografie eine Aussenseiterposition dar,- schon deshalb, weil in ihren Collagen die Grenzen zwischen Fotografie, Malerei und Multimedia verschwimmen. Doch das macht es nur spannender. Denn gerade dadurch erzielen ihre Arbeiten eine Unverwechselbarkeit, die man sich von manch anderer fotografischen Position wünschen würde.

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Weich ineinander fließende Formen und Spiegelungen finden sich in beinahe allen ihren Arbeiten ebenso, wie eine auf wenige Töne reduzierte Farbigkeit, deren Basis nicht selten collagierte s/w-Aufnahmen sind. Betont harte Outlines sucht man vergebens. Und selbst dort, wo es z.Bsp. in ihren Stadtlandschaften etwas ’farbenfroher’ zugeht, sorgt zurückgenommene teils entsättigte Farbigkeit für eine Art ’Retro-Look’, der eher Kindheitserinnerungen oder Unbewußtes assoziieren lässt, denn trocknen Realismus. Ganz klar, hier geht es weniger um eine konkrete Aussage nach außen, denn viel eher um eine Entfaltung nach innen. Dies wird neben der sinnlichen Ästhetik ihrer Bildsprache auch durch die Auswahl ihrer Motive deutlich: Die Arbeiten Jaya Subergs geben ihre Inhalte nicht auf den ersten Blick preis. Anders, als es beispielsweise bei John Heartfields Collgagen der Fall war, die sich stets auf konkrete politische Inhalte bezogen, erscheinen ihre Bilder als auf Emotionalität bezogene Momentaufnahmen. Ein Eindruck, der durch die Sinnlichkeit der Pinselstriche beim Übermalen der Collagen um ein weiteres verstärkt wird. Ihre ’Revolution’ findet nicht im Kopfe statt, sondern hat mit Traum und Fantasie zu tun und führt über die Banalität des Alltäglichen ebenso hinaus, wie über konkrete Fragen. Eine Lösung, wofür auch immer, so scheinen uns ihre Arbeiten zu sagen, kann nicht allein in der Veränderung materieller Verhältnisse stattfinden, sondern bedarf vor allem auch eine der Mentalität. Insofern lassen sich ihre Bilder als eine zeitgemäße Fortführung des Surrealismus deuten. Auch dort wurde ein ’ganzheitlicher’ Aspekt des ’Menschseins’ behauptet, der keinen Bruch sah, zwischen Realität und Imagnation, zwischen Traum und klarem Denken. Dies im Hinterkopf und ihre teils sehr körperetonten Sujets vor Augen, werden Erinnerungen an Pierre Molinier wach. Und an Hans Bellmer. Beide darf man getrost zu den Vertretern des Surrealismus zählen, beide arbeiteten ebenfalls mit Foto-Collagen.­

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Also, was haben wir?

Motive, die auf Innerlichkeit deuten, teilweise übermalt, teilweise mit Texturen versehen. Schriftenzeichen, so unleserlich, dass sie lediglich noch symbolisch dafür herhalten können, dass etwas gesagt werden sollte. Doch unausgesprochen bleibt. Eine Kunst, die ohne lehrhaften Duktus daherkommt und sich auf ihr wesentliches Merkmal beschränkt, Unaussprechliches emotional-bildhaft zu artikulieren. Eine in sich geschlossene Position, die im Endprodukt, natürlich, nicht high glossy, sondern matt geprintet daherkommt.

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Jaya Suberg, eine Autodidaktin, die möglicher Weise gerade deshalb einen so eigenen Umgang mit der Fotografie pflegt, weil sie keine auf Reglement bedachte Ausbildung durchlief.

Aber hier bewege ich mich ins Reich der Vermutungen. Und deshalb endet nun dieser Text.


Weitere Informationen zu Jaya Suberg finden Sie hier:
http://www.jayasu-berlin.de